Ist Latein ein Paukfach, das fröhlichen Fünftklässlern die Schulfreude verdirbt?

„Mir gefällt am Lateinunterricht, dass wir schon so viel gelernt haben, was meine Mutter nicht kann.“
Es stimmt: Im Lateinischen muss man lernen; man lernt sogar das Lernen ziemlich systematisch. Aber „Pauken“ ist etwas ganz anderes: Das ist sinnentleertes, rein mechanisches Lernen, bei dem man nicht einsieht, was man da tut. Kluges, konzentriertes Lernen setzt dagegen auf Einsicht, auf Verknüpfungen (z.B. mit dem Englisch-Unterricht). Der moderne Lateinunterricht macht den Schülern klar, warum gelernt wird – und wozu das Lernen dient.
Im Übrigen sind gerade jüngere Schüler vor der Pubertät ausgesprochen lernwillig. Und: Lernen gehört nun einmal zur Schule; es ist nichts Schlimmes, sondern vielfach sogar etwas Schönes, weil man auch ein bisschen stolz sein kann auf die neu gewonnenen Einsichten und Kenntnisse. 

Wie hat das ein Fünftklässler mal nach rund zehn Wochen Latein am WDG in einer Fragebogen-Aktion formuliert? „Mir gefällt am Lateinunterricht, dass wir schon so viel gelernt haben, was meine Mutter nicht kann.“ 

entnommen aus: 
Wilhelm Weeber, Wie Julius Caesar in die Fanmeile kam. Der etwas andere Einstieg ins Lateinische, Herder-Verlag 2009